Schutzgebiet Gletschertöpfe, Maloja

Region:

Bergell, Maloja (Gemeindegebiet Bregaglia)

Höhe:

1'900 m.ü.M.

Grösse:

33ha

Besonderheiten:

Bei Maloja findet sich eine europaweit einmalige Ansammlung von 36 grossen und kleinen Gletschertöpfen. Sie bilden ein Geotop von regionaler Bedeutung. Dazu gibt es im Schutzgebiet Hochmoore - sie von nationaler Bedeutung - einen Bergföhrenwald und interessante Felsvegetation. Vom Aussichtsturm des Castello Belvedere bietet eine atemberaubende Aussicht auf das Engadin und das Bergell.

Pro Natura Engagement:

Pro Natura kaufte im Jahre 1953 das Schloss Belvedere zusammen mit 33 ha Bergföhrenwald. Seither pflegt und unterhält sie das Schutzgebiet.

Schutzstatus:

Privatrechtlicher Schutz durch Pro Natura als Eigentümerin. Die Moore stehen unter eidgenössischem Schutz.

Verhalten im Schutzgebiet:

  • Bitte die Wege nicht verlassen.
  • Hunde an die Leine nehmen.
  • Feuer machen und Campieren sind verboten.


Günstigste Besuchszeit:

Frühling, Sommer und Herbst

Anreise:

Mit der Rhätischen Bahn bis St.Moritz, dann mit dem Postauto bis zur Post Maloja.

Wanderroute: (siehe Karte)

Post Maloja - Castello Belvedere (1) - Marmitte gigante (2) - Sette marmitte (3) - Hochmoor (4) - Bergföhrenwald (5/6) - Post Maloja

 

  • Weglänge: 2,5 km
  • Zeitbedarf: ca. 1 Stunde
  • Anforderungen: Spaziergang ohne grosse Anforderungen

> Flower Walk


Ausrüstung:

Landeskarte 1:25000: Blatt 1276 Val Bregaglia; gute Schuhe

 

Schutzgebiet
Schutzgebiet Gletschertöpfe, Maloja
Schutzgebiet Gletschertöpfe, Maloja

Geschichte

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man im Gebiet die Gletschertöpfe, italienisch "Marmitte" genannt. Um 1880 wurde das Schloss Belvedere vom belgischen Grafen Renesse erbaut, welches wegen finanzieller Schwierigkeiten aber bald zur Ruine wurde.

Durch den Talerverkauf konnte Pro Natura (damals Schweizerischer Bund für Naturschutz) das Gebiet im Jahre 1953 erwerben, unterstützt von Schweizer Heimatschutz, Kanton Graubünden und anderen Geldgebern. Durch das Entgegenkommen der Graubündner Kantonalbank und des Eidgenössischen Militärdepardementes wurde in jüngerer Zeit eine Erweiterung des Schutzgebietes möglich.

Der Turm des Schlosses mit prächtiger Rundsicht wurde vom Verkehrsverein wieder zugänglich gemacht. Die übrigen Kosten für die Schutzgebietsbetreuung werden durch Spenden und Pro Natura-Mitgliederbeiträge gedeckt.

 

Die Landschaft

Rundhöckerartige Erhebungen aus Granitgneis prägen die Passhöhe von Maloja auf 1'800 m.ü.M., knapp unterhalb der Waldgrenze. Ein eigentlicher Talabschluss fehlt hier am oberen Ende des Engadins. Stattdessen fällt das Gelände nach Westen ins Bergell um fast 400 Meter steil ab.

 

Die Entstehung des Reliefs

Das breite Tal des Engadins mit seiner Seenlandschaft ist eine typische Bildung der letzten Eiszeit. Vom Berninamassiv flossen mächtige Eismassen über den Malojapass nach Westen. Der Talkessel des Bergells entstand bereits früher durch die Erosionswirkung des Flusses Maira.

 

Spezielles Klima

Die Winter dauern in dieser Höhenlage sehr lange. Grosse Unterschiede zwischen Sommer / Winter sowie Tag / Nacht sind in den Zentralalpen typisch. Der tagsüber im Engadin talwärts wehende Malojawind und die vom Bergell als dichter Nebel herkommende Malojaschlange sind Lokalerscheinungen.

 

Vegetation und Flora

Der grösste Teil des Schutzgebietes besteht aus Bergföhrenwald mit Zwergstrauch-Unterwuchs. Ein Teil des Schutzgebietes mit Hochmooren, Flachmooren und Felsen ist natürlicherweise waldfrei. Die Flora der Zentralalpen weist etliche Besonderheiten auf.

 

Die Tierwelt

Klima und Vegetation prägen die Fauna mit. Viele Tiere, so auch zahlreiche Vogelarten, müssen in den Sommermonaten Nahrungsvorräte für die langen Winter anlegen.

 

Die Gletschertöpfe
Gletschertopf
Gletschertopf

Resultat schwindender Gletscher

Vor rund zehntausend Jahren, nach der letzten Eiszeit, zogen sich die Gletscher aus dem Tiefland zurück. Riesige Schmelzwassermengen und vom Gletschereis mitgeführter Sand und Steine wurden frei. Dadurch entstanden unter dem Eis glattgeschliffene Felsflächen, Schrammen und selten auch Gletschertöpfe.

 

Schmelzwasser mit Sand als Schleifmittel

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Schmelzwasser vom Randbereich und der Oberfläche der Gletscher suchte sich eine Weg durch Eisspalten. Mit hohem Druck traf das Wasser und mitgerissener Sand auf den Felsboden. Je nach Gesteinshärte und Dauer der Schleifwirkung am gleichen Ort bildeten sich verschieden grosse Vertiefungen, die Gletschertöpfe.

 

Oft zugedeckt und heute verborgen

Viele Gletschertöpfe weisen im kompakten Fels keinen Abfluss auf und sind deshalb mit Wasser gefüllt. Sehr viele bleiben verborgen, weil sie beim Rückzug der Gletscher noch mit Sand und Steinen überdeckt wurden.