Mediencommuniqué

15.09.2017

Bevor es zu spät ist

Beschwerde der Umweltverbände gegen Ortsplanungsrevision Trin „Ruinaulta“

 

In der Talsohle der Ruinaulta leben selten gewordene Tier- und Pflanzenarten, wie der Flussuferläufer. In dieser faszinierenden Landschaft bewegen sich aber auch immer mehr Erholungssuchende. Die Umweltverbände BirdLife, Pro Natura und WWF wehren sich darum gegen die weitere Erschliessung der Ruinaulta.
Es gibt viele gute Gründe für den Schutz der Ruinaulta einzustehen, denn die Liste der seltenen Tier- und Pflanzenarten in diesem Naturmonument ist lang. Doch nicht nur die einzelnen Tiere und Pflanzen sind selten geworden, auch die meisten der dortigen Lebensräume sind in der neuen Roten Liste der Lebensräume wieder zu finden.


Die Umweltverbände ziehen deshalb die Ortsplanungsrevision Trin an das Verwaltungsgericht weiter. Sie bemängeln, dass eines der letzten ruhigen Gebiete der Ruinaulta mit einem Wanderweg erschlossen werden soll. Mit diesem Vorhaben hoffen die Gemeinden künftig bis zu dreimal mehr, nämlich rund 300'000 Besucher jährlich in der Ruinaulta zu begrüssen. Bis heute wurde nicht untersucht, welche Auswirkungen diese Besucherströme auf die Flora, Fauna und die Lebensräume in der ganzen Ruinaulta haben. Dies ist ein schwerwiegender Mangel.


Hoher Naturwert der Ruinaulta


Die Ruinaulta ist wegen ihrer Schönheit und der Häufung von seltenen Arten weitherum bekannt. Wissenschaftlich kartiert, weisen mehrere Abschnitte der Flussauen nationale Bedeutung auf. Die Rheinschlucht ist zudem im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler enthalten. Am Beispiel des Flussuferläufers lässt sich die nationale Bedeutung des Lebensraums Ruinaulta gut erklären. Dieser kleine Vogel ist in der Schweiz derart selten geworden, dass er als vom Aussterben bedroht gilt. Nur noch zwischen 60-110 Brutpaare werden in der Schweiz gezählt.


Der Bund ist verpflichtet Arten vor dem Aussterben zu bewahren und hat daher einen nationalen Aktionsplan für den Flussuferläufer entwickelt. Es müssen dringend alle noch vorhandenen Brutplätze erhalten und mehr Brutplätze geschaffen werden, damit die Art überleben kann. In der Ruinaulta brüten vier bis sechs Paare, vier davon unmittelbar vor oder im Teilstück, das durch den Weg neu erschlossen werden soll. Damit ist davon auszugehen, dass diese Bruten des Flussuferläufers durch den zunehmenden Tourismus stark gefährdet sind. Auch wenn Massnahmen getroffen würden, wie Wegegebote und Abschrankungen, so hält sich erfahrungsgemäss doch jeder zehnte Besucher nicht an die Regeln. Das reicht, damit die Brutplätze des Flussuferläufers gefährdet sind.
Aus diesen Gründen setzen sich die Umweltverbände BirdLife Schweiz, WWF und Pro Natura für den Erhalt des letzten ungestörten Gebietes von über einem Kilometer Länge in der Ruinaulta ein. Für den Besucher der Ruinaulta ist dieses Teilstück nicht von entscheidender Bedeutung, denn heute stehen
bereits zahlreiche Kilometer Wanderwege, viele Picknickplätze und Aussichtsplattformen zur Verfügung,
um diese prachtvolle Landschaft zu geniessen.


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Internet:


Aktionsplan Flussuferläufe, BAFU, 2010:
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationenstudien/
publikationen/aktionsplan-flussuferlaeufer-schweiz.html

Rote Liste der Lebensräume, 2016:

https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html

 

Weitere Auskünfte:
Anita Mazzetta, Geschäftsführerin WWF Graubünden,
Tel. 076 500 48 18, anita.mazzetta@wwf.ch


Jacqueline von Arx, Geschäftsführerin Pro Natura Graubünden
Tel 079 792 23 52, jacqueline.vonarx@pronatura.ch


Christa Glauser, Stv. Geschäftsführerin Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
Tel. 044 457 70 24, christa.glauser@birdlife.ch

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