Siechastuda

Region:

Stadt Maienfeld, südlich von Jenins

Höhe:

530 m.ü.M.

Grösse:

ca. 6 Hektaren

Besonderheiten:

Die in einem ehemaligen Kiesgrubengelände angelegten Tümpel und Weiher, die Sand- und Schlickflächen entlang der Rüfe sowie Auen bieten besonders für Wasservögel, Amphibien, Reptilien und Kleintiere Lebensräume.

Ein Gemeinschaftswerk:
Dem Engagement von Pro Natura Graubünden und der Stadt Maienfeld ist es zu verdanken, dass die Siechastuda seit 1988 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Gemeinsam mit zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern und einheimischen Schulklassen sorgen sie dafür, dass das ehemalige Kiesgrubengelände Lebensraum für viele teils bedrohte Tier- und Pflanzenarten bietet.

Pro Natura Engagement:

Konzeption des Schutzgebiets, Mitarbeit in der Pflege-Kommission

Schutzstatus:

Von der Gemeindeversammlung von Maienfeld am 11.3.1988 unter Schutz gestellt.

Verhalten im Schutzgebiet:

  • Signalisierte Wege und Pfade nicht verlassen.
  • Keine Wege ohne Bewilligung mit Motorfahrzeugen befahren.
  • Hunde an die Leine nehmen.
  • Nicht Campieren oder Baden.
  • Keine Tiere fangen, stören, verfolgen oder einsetzen.
  • Keine Pflanzen pflücken, ausreissen und einsetzen.


Günstigste Besuchszeit:

Frühling, Sommer, Herbst

Anreise:

Von Landquart oder Bad Ragaz mit Postauto bis Jenins, dann zu Fuss.
Von Maienfeld oder Malans zu Fuss.

Ausrüstung:

Landeskarte 1:25000: Blatt 1155 Sargans, Blatt 1156 Schesaplana, Blatt 1176 Schiers

 

Überlebensinsel für zahlreiche «Flüchtlinge»
Spazieren abseits der Wege kann schnell junges Leben vernichten. Die seltene Gelbbauchunke laicht in den unscheinbarsten Pfützen. Bild: Thomas Marent, Fislisbach
Spazieren abseits der Wege kann schnell junges Leben vernichten. Die seltene Gelbbauchunke laicht in den unscheinbarsten Pfützen. Bild: Thomas Marent, Fislisbach

Seit langer Zeit schon dient die Siechastuda als Rückzugsgebiet. Bis um 1700 waren es die Aussätzigen, die hier, abgesondert von den anderen Dorfbewohnern, in einem Seuchenhaus lebten. Heute suchen Pflanzen und Tiere Zuflucht, die auf Feuchtgebiete angewiesen sind. Denn diese sind im intensiv genutzten Bündner Rheintal kaum mehr zu finden.

 

Vielfalt auf kleinem Raum

In aufwändiger Arbeit haben unsere Vorfahren die Talebene des Bündner Rheintals urbar gemacht. Die einst zahlreichen Sümpfe, Tümpel und Weiher sind bis auf wenige Reste verschwunden. Kröten, Frösche, Unken, Molche, Wasservögel und Libellen haben in der Siechastuda ein neues zu Hause gefunden.
Aber nicht nur wasserliebende Lebewesen fühlen sich hier wohl. Weit über 200 Pflanzenarten, Schmetterlinge, Fledermäuse, Igel, Marder, Schlangen, Eidechsen, Rehe und viele andere Tiere schätzen die naturnahe Insel im Landwirtschaftsgebiet.
Diese Vielfältigkeit ist Ausdruck starker Gegensätze. Karge und bewachsene, sonnige und schattige, trockene und feuchte Standorte finden sich hier auf kleinstem Raum. Dass dies auch in Zukunft so bleibt, dafür sorgen Mensch, Bach und Rüfe.

 

Wechselspiel zwischen Zerstörung und Wiederbesiedlung

Wenn die Üll- und Selfirüfe während der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen mit Wassermassen und Geröll den Vilan hinunterstürzen, zerstören sie viel Leben im Rüfenlauf.
Doch mit jedem Niedergang entstehen neue kahle Kies- und Schotterflächen: Lebensraum für Pioniere, die solche rohen Böden besiedeln. Um diejenigen zu schützen, die es beständiger mögen, wurde ein Damm angelegt.

 

Mensch und Dorfbach schaffen Lebensräume

Wald, Wiesen und Weiher ausserhalb der Rüfe bleiben von der Naturgewalt meist verschont. Hier sorgt der Jeninser Dorfbach für Dynamik. Mit abnehmendem Wassereinfluss wandelt sich in der Bachaue die Vegetation: von Weidengehölzen und Pappeln bis hin zu Eschen, Ahorn und Eichen.
Damit der Wald die offenen Flächen nicht erobert und die Weiher nicht verlanden, unterbricht der Mensch die natürliche Vegetationsentwicklung. Schilf und Gehölz werden regelmässig zurück geschnitten und die künstlich angelegten Weiher bei
Bedarf ausgebaggert. Ohne diese Eingriffe hätten Licht und Wärme liebende Pflanzen und Tiere keine Chance mehr, hier zu überleben.
Der Aufwand ist hoch, aber er lohnt sich. Wer leise und aufmerksam dem Rundweg folgt, kann den Reichtum des Gebietes entdecken.