In Gedenken an Andrea Bianchi

Wir gedenken unserem engagierten Mitglied Andrea Bianchi, der am Samstag, dem 28. November 2015 beim Eisklettern im Avers tödlich verunglückt ist.
 
Wir haben Andrea Bianchi als mutigen Kämpfer für den Natur-, Landschaft und Alpenschutz erlebt, in seiner Funktion als Anwalt und auch als couragierte Privatperson.
Sein Unfall macht uns besonders traurig und betroffen, weil es erst wenige Wochen her ist, dass wir gemeinsam am Tinzenhorn dem tragischen Kletterunfall seines Vaters  Ricco Bianchi, dem Gründungspräsidenten von Pro Natura Graubünden gedacht haben, anlässlich des 50. Todestages.
Wie schon sein Vater, wurde jetzt unerwartet und viel zu früh auch Andrea Bianchi aus dem Leben gerissen. Wir werden auch die Erinnerung an Andrea Bianchi noch lange in unseren Herzen tragen und sein Engagement für die Naturschönheiten weiterführen – für mehr Natur, überall.
Der Trauerfamilie und den Angehörigen gilt unser tief empfundenes Beileid in diesen schweren Stunden.
 
Jacqueline von Arx
Geschäftsführerin Pro Natura Graubünden

 

Andrea Bianchi über seinen Vater Ricco Bianchi

Im Interview mit Renata Fulcri spricht Andrea Bianchi über seinen Vater Ricco Bianchi, den Gründungspräsidenten von Pro Natura Graubünden (aus regio 5/2015).

R. Fulcri: Andrea, du warst 12 Jahre alt, als dein Vater tödlich verunglückte. Was war dein schönstes Erlebnis mit deinem Vater?

A. Bianchi: In Erinnerung bleibt die Besteigung des Parpaner-Rothornes über den Nordgrat. Wir hatten auf dieser Route einen Bergkristall gefunden den ich stolz nach Hause trug. Auf dem Gipfel machten wir mit Selbstauslöser ein Erinnerungsbild von uns.

Als Jurist, wie auch privat, setzt du dich für die Umwelt ein. Hat dein Vater dich für den Naturschutz begeistert?

Nicht direkt, der Umweltschutzgedanke wurde mir vor allem von meinem Mentor, dem ehemaligen Nationalrat Herbert Maeder vermittelt. Bei ihm hatte ich nach dem Tod meines Vaters oft die Ferien verbracht.

Dein Vater ist Gründungspräsident von Pro Natura Graubünden, heute arbeitest du als Jurist und Privatperson mit Pro Natura Graubünden zusammen. Ist das eine bewusste Weiterführung der Arbeit deines Vaters?

Als ich anfangs dieses Jahr erfuhr, dass mein Vater Gründungspräsident der Bündner Sektion von Pro Natura Graubünden war, war ich sehr positiv überrascht. Diese neue Erkenntnis macht mich stolz auf meinen Vater.

Was verbindet dich persönlich mit Pro Natura Graubünden?

Mit Pro Natura Graubünden verbindet mich die grosse Liebe zu Natur und Landschaft. Diese Liebe hat auch ein sehr emotionales Moment. Sie ist nicht nur intellektueller Natur.

Im Rahmen des Gedenkanlasses vom 30. Juli haben wir eine Gedenktafel für Ricco Bianchi am Tinzenhorn angebracht. Was ging dir durch den Kopf, als wir uns der Absturzstelle näherten?

Ich war während der Tour sehr konzentriert und darauf bedacht, dass die Besteigung ohne Zwischenfälle verläuft. Emotionen liess ich während der Tour keinen Raum. Als wir zur Hütte zurückkehrten, konnte ich mich entspannen und an der anschliessenden Feier auch meine Emotionen zulassen. Das hat mir sehr gut getan.

Was möchtest du als begeisterter Bergsteiger und Bergführer unseren Lesern besonders empfehlen?

Ich empfehle allen Bergsteigerinnen und Bergsteigern, sich die Folgen der Klimaerwärmung am Beispiel des Morteratschgletschers vor Augen zu führen. Der Lehrpfad vom Bahnhof Morteratsch bis zum Gletscher ist äusserst aufschlussreich und zeigt das rasante Tempo, mit welchem der Gletscherrückgang in den letzten Jahrzehnten vor sich geht. Gleichermassen ein Mahnmal unserer Verschwendungsgesellschaft!